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"Eine Sache des Anstands"

Herr Hornbach, Familienunternehmen glauben ja oft, von Natur aus nachhaltig zu sein. Ist es wirklich so einfach?

Albrecht Hornbach: Den Trugschluss kann ich verstehen. Aber soeinfach ist es natürlich nicht. Nachhaltig sein hat ja bei weitem nicht nur etwas mit Beständigkeit zu tun. Wir wachsen beständig, wenn auch vielleicht nicht so gleichmäßig, wie der Kapitalmarkt sich das manchmal wünscht. Die Börsennotierung hat in dieser Hinsicht auch Nachteile, denn man wird allzu oft an kurzfristigen Ergebnissen gemessen. Das klingt erstmal wenig nachhaltig, oder? Aber die gesicherte Familienführung von HORNBACH ist unser Garant für eine gewisse Unabhängigkeit. Das ermöglicht uns, den Blick über Quartale hinweg auf das große Ganze zu richten und in Generationen zu denken.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für HORNBACH?

Albrecht Hornbach: Bei HORNBACH reden wir von Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein – nicht von Nachhaltigkeit. Denn der Begriff wird viel zu häufig benutzt und ist aktuell sehr en vogue. Deshalb meiden wir ihn. Wir orientieren uns da eher an den Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns: Fairness, Integrität, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit. Diese Tugenden schaffen Vertrauen in HORNBACH und ermöglichen uns eine langfristige Wertschöpfung. Das klingt vielleicht ein bisschen altertümlich, trifft es aber heute noch immer. Das ist für uns der Kern von Nachhaltigkeit.

Susanne Jäger: Als Handelsunternehmen liegt unser Fokus auf unserer Sortimentsgestaltung, also den Produkten die wir unseren Kundinnen und Kunden anbieten. Es ist unser Anspruch und unser Ziel, nur Produkte zu verkaufen, von denen wir überzeugt sind. Und da stehen Sicherheit, Qualität und Nutzen ganz oben. Dabei sind uns natürlich die Bedürfnisse unserer Kunden sehr wichtig. Im Rahmen unserer Überzeugungen bestimmt also die Nachfrage unser Angebot. Aber es gibt natürlich noch weitere wichtige Bereiche. Unsere Ressourcennutzung beim Bauen und Betreiben unserer Gebäude zum Beispiel, oder die Logistik. Verantwortungsbewusst zu handeln ist für uns eine Sache des Anstands.

Albrecht Hornbach: Wir sind im Wandel begriffen. Die Digitalisierung unseres Lebensumfelds macht auch vor den Arbeitsplätzen nicht Halt. Wir spüren, dass das auch bei unseren Kolleginnen und Kollegen manchmal zu Verunsicherung führt. Es ist deshalb eine unserer Hauptaufgaben, dass die gute Arbeitsumgebung für alle erhalten bleibt. Denn uns ist klar, dass nur zufriedene Mitarbeiter unsere Kunden begeistern können.

Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um das Thema - oder sind Sie beide, Frau Jäger mit Herrn Hornbach eher Einzelkämpfer?

Susanne Jäger: Nein, wir sind keinesfalls Einzelkämpfer. Das geht bei einer so großen Organisation auch gar nicht. Rein organisatorisch liegt der Hauptauftrag bei unserem Team „Qualitätsmanagement, Umwelt und CSR“ im Baumarkt-Konzern. Unser großer Vorteil ist aber sicher, dass vieles, was heute unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) verstanden wird, bei HORNBACH schon seit Jahren umgesetzt wird. Nur eher unter dem Aspekt „gesunder Menschenverstand“. Die Bestandteile von CSR sind bei uns überall verankert. Natürlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Manchmal ist Wirtschaftlichkeit Vater des Gedankens und unterm Strich sparen wir damit auch noch Energie – das ist optimal. Aber es gibt auch Themen, da stehen gesellschaftliche oder Umweltinteressen im Vordergrund – bei der Gestaltung unseres Sortiments beispielsweise, wo wir vorübergehend auch wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen.

Was sind die wichtigsten Nachhaltigkeitsziele von HORNBACH?

Susanne Jäger: Kurz und knapp würde ich sagen: besser werden – und zwar in jedem Bereich. Das heißt kosteneffizienter, ressourcenschonender und dabei immer ein verlässlicher Partner für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und Geschäftspartner zu sein.

Albrecht Hornbach: Wir setzen unsere Ziele qualitativ, nicht quantitativ. Quoten kann man rechnerisch immer irgendwie erfüllen, wobei dahingestellt sei, ob das Erfüllen dem Unternehmen auch etwas bringt. Qualitative Ziele werden dagegen leider oft missverstanden. So, als wären sie weniger anspruchsvoll. Das sehen wir keinesfalls so.

Auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 – wie gut setzt HORNBACH die eigenen Ziele schon um?

Albrecht Hornbach: Da geben wir uns mal eine 2. Ich bin überzeugt, dass bei uns einiges schon sehr gut läuft, gerade bei unseren beiden Schwerpunktthemen Beschaffung und Mitarbeiter. Aber es gibt bekanntlich immer Luft nach oben. Gerade im europäischen Vergleich sehen wir auch, wie unterschiedlich unsere Bemühungen von Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern eingefordert und wahrgenommen werden.

Wo sehen Sie im europäischen Vergleich denn die besonderen Unterschiede?

Albrecht Hornbach: Also grundsätzlich sehe ich in den Ländern, in denen Hornbach vertreten ist, mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Aber bezogen auf den jeweiligen regionalen Sortimentsmix macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob es in einem Land viele Eigenheimbesitzer oder wenige gibt. Wer eine Immobilie besitzt und nicht nur mietet, der investiert auch anders.

Susanne Jäger: Auch die Anforderungen der Länder sind durchaus unterschiedlich. In der Schweiz zum Beispiel verlangen Gesetzgeber und auch Verbraucherverbände eine ganz besondere Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit. Da geht es unter anderem um die Kennzeichnung von Produkten, deren Herkunft und Bestandteile sowie Inhaltsstoffe. Unsere Pflicht ist es, diese Anforderungen mindestens zu erfüllen. So etwas beeinflusst auch das Bewusstsein der Kunden für nachhaltige Sortimente.

Albrecht Hornbach: Und der öffentliche Diskurs zu den Nachhaltigkeitsthemen wird unterschiedlich geführt. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, europaweit mit unseren Kunden ins Gespräch zu kommen. An diesem Punkt hört unser Interesse aber nicht auf: Was denken unsere Mitarbeiter darüber? Was unsere Lieferanten, Kapitalgeber, die Medien oder Umweltschutzverbände? Nur durch den fortlaufenden Dialog mit allen Stakeholdern können wir immer wieder überprüfen, ob die Weichen noch richtig gestellt sind.

Wo sehen Sie künftig die größten Herausforderungen – oder auch Chancen?

Albrecht Hornbach: Die gesellschaftlichen Entwicklungen in unserem Verbreitungsgebiet zeigen uns klar den Weg, denn das Bewusstsein für CSR-Themen steigt immer weiter. Da gibt es zahlreiche Erhebungen und Verweise auf die sogenannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability). Aber auch die Generationen Y und Z sind größtenteils sehr sensibel für Nachhaltigkeitsthemen. Für HORNBACH heißt das: Wir müssen auch weiterhin immer einen Schritt weiter denken, um den steigenden Anforderungen der Verbraucher gerecht zu werden – das wird auch in Zukunft das Wichtigste sein.

Susanne Jäger: Aktuell treiben uns Themen wie die Vermeidung von Abfall um: Wie können wir beispielsweise Verpackungsmaterial reduzieren? Oder auch die Themen Re- und Upcycling. Warum nicht aus alten Materialien neue Produkte herstellen und unseren Kundinnen und Kunden anbieten? Dazu gehört auch, darauf zu achten, dass die von uns angebotenen Produkte und Verpackungen leicht zu recyceln sind. Das ist ein komplexer Kreislauf. Und zu guter Letzt gilt es, die Lieferketten transparent zu halten. Das wird eine anspruchsvolle Aufgabe bleiben.

Albrecht Hornbach: Das merken wir auch beim Recruiting. Da wird teilweise gezielt nach CSR-Themen gefragt. Die jüngeren Generationen wollen für ein Unternehmen arbeiten, dessen Werte sie teilen. Und wer könnte das besser vermitteln als unsere Kolleginnen und Kollegen? Sie sind unser Aushängeschild, sie begeistern unsere Kunden und sie sind es, die das Geld verdienen. Sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen – und sogar darüber hinaus – ist unser Anspruch und für die Zukunft eine riesengroße Chance. Da gibt’s eben auch immer was zu tun.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr dazu im HORNBACH Nachhaltigkeitsmagazin, PDF (7,76 MB) .

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